Pionier
Ruedi Rüegg stand zeitlebens für kompromisslose Klarheit: Grafikdesign war für ihn kein modischer Luxus, sondern ein Werkzeug, das den Alltag ordnet.
Vor über 50 Jahren legte Ruedi Rüegg den Grundstein für den Designalltag mit seinem nicht modischen, immer geradlinigen aber auf den Punkt gebrachten Stil. Er wurde zu einem der wichtigen Vertreter des Swiss Designs mit einem echten internationalen Touch der unsere Denkweise und unseren Stil bis heute prägt.
Ruedi Rüegg, geboren 1936 in Zürich, war einer der Vertreter des sogenannten Swiss Style, geprägt von Klarheit, typografischer Präzision und Funktionalität. Er studierte an der Kunstgewerbeschule Zürich bei Josef Müller-Brockmann und Hans Finsler, arbeitete später in Japan und in den USA, unter anderem bei Paul Rand.
Ab 1965 war er Partner bei «Müller-Brockmann & Co.», später gründete er «Baltis & Rüegg» und schliesslich Designalltag. Der Name war Programm: Gestaltung als Teil des Alltags, nicht als Show, sondern als Werkzeug. Sein Stil war nie modisch, immer direkt, ruhig, lesbar und durchdacht.
Er unterrichtete an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz, in den USA und in Lateinamerika. Ab 1985 initiierte er an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh eine Sammlung bedeutender Schweizer Plakate, die dort bis heute erhalten ist.
Im Jahr 2000 erhielt er als erster Gestalter den Henry Award der Alliance Graphique Internationale, kurz AGI, deren internationales Komitee er mitgestaltete.
Am 14. Oktober 2011 verstirbt Ruedi Rüegg (04.08.1936–14.10.2011). Sein geradliniger, ehrlicher Stil mit internationalem Touch prägt den Designalltag bis heute.
Rüegg war verantwortlich für zahlreiche visuelle Erscheinungsbilder und Orientierungssysteme. Besonders prägend war seine Arbeit für den Flughafen Zürich, für die Verkehrsbetriebe Zürich, für die Universität Zürich und für die PTT (Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe). Seine Gestaltung war dabei nie Selbstzweck. Es ging um das, was gebraucht wurde. Ein Schild, das nicht stört, sondern hilft. Ein Leitsystem, das funktioniert, auch wenn man müde ist oder unter Zeitdruck steht.
Sein gestalterisches Verständnis lebt weiter in den Arbeiten von Designalltag. Seine Haltung zur Gestaltung prägt unsere Designagentur bis heute.
1936–1960
Zürcher Wurzeln
Ruedi Rüegg kam1936 in Zürich zur Welt und verbrachte dort seine ganze Kindheit und Jugend. Geprägt vom städtischen und kulturellen Umfeld der 1940er- und 1950er-Jahre, besuchte er die Kunstgewerbeschule Zürich bei Josef Müller-Brockmann und Hans Finsler.
1960–1965
Lehrjahre bei Paul Rand
1960–1963, Arbeitet Ruedi Rüegg bei J. Müller-Brockmann. 1963–1964 als Assistent von Paul Rand in den USA. 1964 – 1965 Nakamoto International Agency, Osaka in Japan. Dies schärfen seinen Blick für eine klare, internationale Form des Swiss Design.
1967–1976
1967 · Müller-Brockmann & Co., Zürich
Ruedi Rüegg war Mitinhaber und Geschäftsführer von Müller-Brockmann & Co. in Zürich. Hier entsteht die Basis für seinen geradlinigen, typografisch präzisen Stil. In den 1970er-Jahren gestaltet er unter anderem Crossair, Schwaab Lackfabriken, den Flughafen Zürich, Feller, die Bank Linth, das Kongresshaus und das Opernhaus Zürich.
Gleichzeitig engagiert er sich in der Branche: als Mitglied der Schweizer Design- und Werbewirtschaft, im Vorstand von SWB, VSG und ASG sowie in der Jury für die Schweizer Plakate des Jahres. Mit der Aufnahme in die Alliance Graphique Internationale (AGI) gehört er zum Kreis der international renommiertesten Grafikerinnen und Grafiker.
Link https://a-g-i.org/user/ruediruegg/
«Design ist kein Selbstzweck; es dient konkreten Zielen. Die Form soll nicht sich selbst interessant machen, sondern das tun, wofür sie da ist.»
– Ruedi Rüegg
ab 1970
Flughafen Zürich
Anfang der 1970er-Jahre entwickelte Ruedi Rüegg mit seinem Team bei Müller-Brockmann & Co. die Signaletik für den Flughafen Zürich. Das Mandat begleitete ihn über vierzig Jahre. Heute führt Designalltag diese Arbeit am Flughafen Zürich weiter.
1972
Typografische Grundlagen
Zusammen mit Godi Fröhlich veröffentlicht Ruedi Rüegg 1972 im ABC Verlag Zürich das Handbuch «Typografische Grundlagen – Bases Typographiques – Basic Typography». Auf rund 220 Seiten in Deutsch, Französisch und Englisch führt es durch Technik und Gestaltung der Typografie: von Masssystemen und Satztechnik über Kontrast, Proportion und Rhythmus bis zu Arbeitsprinzipien und angewandten Beispielen. Die Einleitung schrieb Josef Müller-Brockmann, einen Beitrag Paul Rand. Gestaltet hat das Buch Ruedi Rüegg selbst. Es gilt bis heute als Standardwerk der Schweizer Typografie.
1977–1982
Baltis & Rüegg, Zürich
1977 gründet Ruedi Rüegg zusammen mit Baltis die Bürogemeinschaft Baltis & Rüegg in Zürich. Aus dieser Partnerschaft entwickelt sich sein eigenes Büro. Der Alltag wird zur Haltung: Gestaltung, die im täglichen Gebrauch funktioniert – präzise, reduziert und verständlich.
ab 1982
PTT, Schweizerische Post
Ab Ende der 1970er-Jahre erneuerte die PTT ihren gesamten Markenauftritt. Ruedi Rüegg entwickelte dafür die Corporate Identity und das visuelle Informationssystem samt Piktogrammen. Zusammen mit dem neuen Signet, das Martin Altenburger entworfen und Adrian Frutiger verfeinert hatte, löste der Auftritt ab 1982 das alte Wappenlogo ab und prägte über Jahrzehnte das Bild der Post- und Telekommunikationsdienste in der Schweiz.
1983–1988
Eigenes Büro und Aufbruch ins Digitale
Büro Ruedi Rüegg, Zürich. Nach dem Ende der Bürogemeinschaft Baltis & Rüegg gründet Ruedi Rüegg sein eigenes Büro in Zürich. Von hier aus prägt er Corporate Designs und Signaletik.
ab 1985
Swiss Posters in Pittsburgh
Auf seine Initiative hin wurde an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (USA) eine permanente Kollektion von über 300 herausragenden "Swiss Posters" aufgebaut. Diese Kollektion dokumentiert primär die schweizerische Plakatkunst ab 1971 und spiegelt exakt jene Epoche (1970–1980) wider, in der Rüegg selbst als Juror und Akteur die Schweizer Plakatlandschaft prägte.
1988
Technologischer Wandel und Innovation
Als einer der ersten Designagenturen setzt Ruedi Rüegg auf Coomputer für die entstehen die Gestaltung und Administration.
1989
Designalltag Zürich
1989 macht Ruedi den «Designalltag» zu seinem Namen – der Name macht klar, worum es geht: Gestaltung, die im Alltag Orientierung schafft.
Feste Lehraufträge
1968–1988 · Ohio State University, Columbus, Ohio (USA)
Gastprofessor für Grafikdesign. Ab 1968 war Design an der OSU ein eigenständiges Fach mit den Bereichen Product Design und Visual Communication Design.
Viele seiner Studierenden machten später ein Praktikum in seinem Zürcher Büro.
1983–1989 · Kent State Summer Workshop, Schweiz
Dozent. Die Kent State University aus Ohio führte von 1973 bis 1991 jeden Sommer einen Workshop in der Schweiz durch. Er verband amerikanische Studierende mit dem internationalen Designumfeld rund um das Swiss Design.
1984–2006 · Schule für Gestaltung St. Gallen
Dozent. Die Schule ist heute eine der fünf Abteilungen des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen (GBS) und gilt als Kompetenzzentrum für Gestaltung in der Ostschweiz. Rüegg unterrichtete dort über zwei Jahrzehnte.
Gastvorlesungen und Workshops
ETH Zürich, Departement Architektur: die Architekturabteilung der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich
Ingenieurschule Burgdorf: 1892 als Technikum gegründet, seit 1998 Teil der Berner Fachhochschule
Biennale Brno, Tschechoslowakei: 1963 vom Grafiker Jan Rajlich gegründet, gilt als älteste regelmässige internationale Ausstellung für Grafikdesign
Carnegie Mellon University, Pittsburgh (USA): Hier initiierte Rüegg ab 1985 die Swiss Poster Collection.
Cooper Union, New York (USA): traditionsreiche Hochschule für Kunst, Architektur und Ingenieurwesen
Kent State University, Kent, Ohio (USA): die Heimuniversität des Schweizer Sommerworkshops
UCDA National Conference (USA): Jahreskonferenz der University & College Designers Association, des 1971 gegründeten Verbands der Gestalterinnen und Gestalter an amerikanischen Hochschulen
University of Cincinnati, Ohio (USA): bekannt für ihr College of Design, Architecture, Art, and Planning
Universidad de las Américas Puebla (Mexiko): private Universität, 1940 als Mexico City College gegründet und seit 1970 in Cholula bei Puebla
Publikationen
1972 Basic Typography
1982 Swiss Posters 1970 –1980
1989 Design with Letters
1993 Designalltag
1999 Designalltag: Symbols, Logos, Identities
2002 Designalltag: Pictograms
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